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Berlin 12:06 - Tehran 13:36 - Los Angeles 03:06 Dienstag, 09.02.2010
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EDLER TROPFEN
Keine Angst vor bösen Geistern


In Kloppenheim gab´s edle Tropfen aus persischen und französischen Kellern

Von Katharina Munsch

KLOPPENHEIM Zur musikalischen Weinprobe hatte die SPD Kloppenheim zusammen mit Alexandra Schultes und Bijan Assefi vom örtlichen Weinladen "Bourse aux Vins" in die städtische Turnhalle eingeladen. Gute Tropfen aus persischen sowie aus französischen Kellern sollten bei dieser Gelegenheit verkostet werden, persische Spezialitäten warteten auf zahlreiche Feinschmecker, für die musikalische Untermalung sorgte Shahram Moghaddam.




Anfangs hatten die persischen Weisen, lange vor Christi Geburt, vor den eben zu gären begonnen Trauben gewarnt. Zu unheimlich schien das Gebräu, wer wollte wissen, ob hier nicht böse Geister ihre Hände im Spiel hatten. Die Überlieferung erzählt von einer orientalischen Königin, die durch den modernen Trank nicht nur von ihren Kopfschmerzen befreit worden sei, sondern sich durch dessen Genuss in ausnehmend gute Stimmung versetzt habe. Der Traubentrank trat ab da seinen Siegeszug im antiken Persien an, so dass der heutige Iran als Geburtsland des Weines gelten muss.

"Leider kam der staatliche Weinanbau im Iran nach der islamischen Machtübernahme Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts völlig zum Erliegen", erklärte Expertin Schultes. Dabei könne sich das Land hier mit einer langen Tradition schmücken, im Laufe der Jahrhunderte habe der kostbare Rebensaft gar die Gemüter der einheimischen Lyriker bewegt, nach denen der ein oder andere Wein benannt worden sei und auch der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe habe sich einst lobend über die persischen Tropfen geäußert.

"Wir möchten die Fahnen der persischen Traditionstropfen auch im 21. Jahrhundert hoch halten und in dieser Sache hierzulande Aufklärungsarbeit betreiben", erzählte Schultes.

Vier edle Tropfen aus den heute beinahe bis zur Unkenntlichkeit geschrumpften Anbaugebieten des Iran sollten verkostet werden. Darunter der leuchtend rubinfarbene, trockene Khayyam, der im entsprechenden Licht leicht violett schillernde, fruchtige Hafez oder der dunkle, mit seinen Aromen von Beeren und Mandeln bestechende Khayyam Royal Shiraz. Anschließend wagten Schultes und ihre Gäste den Sprung in den Süden des Weinlandes Frankreich, wo unter anderem ein fruchtig-würziger Merlot sowie ein goldener Chardonnay, mit seinem fruchtigen, an Aprikosen, Honig oder Haselnüsse erinnerndes Bukett, wartete.

Zwischen den einzelnen Weinen unterhielt Shahram Moghaddam mit allerlei persischen Chansons. Gefühlvoll nahm seine Gitarre jeweils den musikalischen Faden von Alexandra Schultes auf, welche die Reprisen des Musikers meist mit kurzen Rezitationen, moderner, deutscher Lyrik einleitete. Mal melancholisch, getragen, beinahe klagend, dann wieder wirbelnd und wild, an spanischen Flamenco erinnernd, untermalte Moghaddam die Weinprobe.

In den vergangenen Jahrhunderten waren die Weine aus dem persischen Shiraz, der "Stadt der Blumen", immer wieder von europäischen Reisenden gelobt worden. Bereits damals hatten die einheimischen Winzer ihre Tropfen in Flaschen abgefüllt in die Nachbarländer exportiert. "Heute scheint der internationale Weinmarkt oftmals derart übersättigt, dass für die Traditionsweine aus deren Ursprungsland kein Platz mehr bleibt", bedauerte Schultes. Ganz klar, dass ihr Partner Bijan Assefi und sie selbst sich da deren Ruf im deutschsprachigen Raum widmeten.

In Kloppenheim hatten die beiden Botschafter für das iranische Kulturgut sicherlich einige Mitstreiter gewinnen können.


Quelle: Main-Rheiner

(sVy)


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Veröffentlicht:
Montag, 24.04.2006 , 17:10 Uhr
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