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Berlin 23:17 - Tehran 00:47 - Los Angeles 14:17 Freitag, 21.11.2008
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REISE
Picknick auf dem Königsplatz
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Portal der Lotfollah Moschee von Isfahan.

Trotz neuer Offensiven des Kulturministers: Die Krise des iranischen Tourismus dauert an.

Ihrem Lächeln kann kaum ein Tourist widerstehen, und so lässt sich fast jeder von ihr befragen und fotografieren. Wer mag schon der hübschen Studentin die Diplomarbeit vermasseln, zumal sie beteuert, es interessanter zu finden, Fremde abzulichten als einheimische Drogensüchtige und Arbeitslose, wie ihre Kommilitonen es tun?

Die 21-Jährige überwältigt mit ihrem Charme Inder, Briten, Japaner und Deutsche vor dem himmelblauen Eingangsportal der Iman-Moschee. Aber sie braucht Geduld, viel Geduld. Selbst in die Oasenstadt mit all ihren prächtigen Moscheen und Palästen kommen nur wenige ausländische Besucher, obwohl Isfahan, von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt, wie kaum eine andere iranische Stadt auch in ihrer Infrastruktur auf Touristen eingerichtet ist.

Von außen erscheint Iran als Hort der Unterdrückung und des Fanatismus. Die Versuche des Landes, Touristen aus allen Teilen der Welt anzulocken, scheitern immer wieder. Das Jahr 2001 wurde gar offiziell zum Jahr des Tourismus ausgerufen, und der damalige Präsident Chatami forderte den „Dialog der Kulturen“. Aber der 11. September bescherte dem bescheiden aufkeimenden Tourismus einen herben Rückschlag. Die Krise dauert an - auch wenn das Ministerium für Kultur und Tourismus 2006 erstmals amerikanische Reisejournalisten zum Urlaub auf der Achse des Bösen animierte. Die Tiraden und Ausfälle von Präsident Ahmadinedschad treiben das Land noch mehr in die Isolation. Deutsche Reiseveranstalter mühen sich, mit speziellen Angeboten - von Angelurlaub über Berg- und Wüstenwanderungen bis zu Trekkingtouren auf alten Karawanenwegen - Neugier zu wecken. Zu den ungewöhnlichen Offerten gehören auch Begegnungsreisen für Frauen mit Frauen, die Einblicke in eine vielschichtige Wirklichkeit verheißen.

Keine Frage: Vorurteile überwiegen vor der Reise, zumal Verwandte und Freunde nach Risiken fragen. Eine Reise ins Land der Mullahs, die einen Blick hinter den Tschador verspricht? Eine Tour mit Kopftuch und bis zu den Arm- und Fußknöcheln bedecktem Körper? Die ungewohnte Kleidung erleichtert den Abschied von daheim und das Eintauchen in eine andere Welt. Die Skepsis verfliegt spätestens am dritten Tag, als Frauen und Mädchen uns zuwinken und uns einladen, an ihrem Picknick auf dem Königsplatz von Isfahan teilzuhaben. Man kommt schnell ins Gespräch, das Interesse an den Fremden ist groß. Die Frauen berichten aus ihrem Alltag, von den Nischen, in denen sie sich eingerichtet haben im Land der Männer. Internet und Satellitenschüsseln bieten ihnen auch den Zugang zum „Großen Satan“ USA, wo viele Verwandte und Freunde haben.

Die herrliche Kulisse der Arkaden und Kulturdenkmäler gerät rasch in den Hintergrund: Es wird viel gelacht, Tee getrunken, die Wasserpfeife frisch gestopft. Es werden Erinnerungsfotos auf dem Handy gespeichert und E-Mail-Adressen getauscht: So schön und ungezwungen kann der Dialog der Kulturen sein - ohne amtliche Regie oder vom Reiseveranstalter organisierte Begegnungen. Aber auch bei vorab arrangierten Treffen mit Studentinnen, Künstlerinnen, Lehrerinnen, Handwerkerinnen und Naturschützerinnen überrascht die Offenheit. Etwa 40 Prozent der Iranerinnen sind berufstätig, mehr als 60 Prozent der Studierenden weiblich; Englisch ist Fremdsprache Nummer eins. Die Frauen wissen, wie schlecht das Image ihres Landes draußen in der Welt geworden ist, und wollen auch nichts beschönigen. Sie müssen im Bus immer noch hinten sitzen und am Flughafen eigene Eingänge benutzen, den Augenkontakt mit Männern vermeiden und dürfen ihnen nicht die Hand geben - solche Regeln gelten übrigens auch für Ausländerinnen, will man nicht in Bredouille kommen. Die Distanz zwischen den Geschlechtern hat auch angenehme Facetten: Höflichkeit triumphiert. Überall ist jemand zur Stelle, um zu übersetzen und notfalls auch zu beraten, weil die kenntnisreiche Reiseführerin gerade nicht zur Stelle ist: Wahrlich eine Wohltat, hilfsbereiten, aber nie aufdringlichen Menschen sogar auf dem Basar zu begegnen.

Weltoffen und begierig, ihre Kenntnisse der Außenwelt zu mehren, erzählen die Iranerinnen über ihre Arbeit und auch über sich, wenn nicht gerade eine Aufpasserin aus irgendeinem Ministerium die Ohren spitzt. Doch bei den vielen spontanen Kontakten auf der Straße, im Museum, in einem Teehaus, im Restaurant oder am Grab des Dichters Hafez in Shiraz bleibt sie außen vor. Junge Leute zelebrieren die traditionelle Lesung aus seinen Gedichten, klopfen dreimal an seinen Sarkophag, um ihre Anwesenheit kundzutun, und berichten später von ihrem Stolz auf ihre Kultur, die nichts mit der islamischen Republik zu tun hat.

An den schönsten und interessantesten Plätzen des Landes bleiben Besucher vor anderen Touristen verschont. Selbst in Persepolis, der wohl eindruckvollsten historischen Stätte des Iran, können sie den freien Blick genießen. Die imposanten Überreste aus mehr als zwei Jahrtausenden Architektur und die bernsteinfarbene Ebene vor einer dramatischen Felsenkulisse. Kein Lärm, kein Basargetümmel trübt den Genuss.

George Curzon bereiste Ende des 19. Jahrhunderts Persien und und erlag dem Charme der halb versunkenen Herrlichkeit zweier Jahrtausende. Der Lord hat Recht: Wer einmal dem Land verfallen ist, findet tausend Gründe für eine Wiederkehr.




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Quelle: ksta
(sVy)
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Veröffentlicht:
Donnerstag, 18.01.2007 , 09:13 Uhr
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