MOSKAU, 26. September (RIA Novosti). Teheran plant als Antwort auf die Pipeline-Projekte Nabucco und South Stream, die Rohrfernleitung Pars im Wert von vier Milliarden US-Dollar für Erdgaslieferungen an Europa, berichtet die Zeitung „RBC Daily“ am Freitag.
Laut dem iranischen Vize-Ölminister Akbar Torkan sind bereits Verhandlungen mit einem europäischen Unternehmen im Gange, das möglicherweise der Pipeline-Betreiber wird.
Russische Experten sind jedoch davon überzeugt, dass kein einziges europäisches Unternehmen sich an dem Projekt der Iraner beteiligen will.
Pars soll aus Iran über die Türkei nach Griechenland, Italien und weiter via Schweiz und Österreich nach Deutschland verlaufen.
Teheran will auf diesem Wege jährlich 37 Milliarden Kubikmeter Gas liefern. Eine Frist für die Realisierung dieses Projekts wurde bislang nicht genannt.
Die von der EU geförderte Nabucco-Pipeline (mit einer Lieferkapazität von 26 bis 32 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr) ist für Erdgaslieferungen an Europa unter Umgehung Russlands vorgesehen.
South Stream, ein gemeinsames Projekt zwischen dem russischen Konzern Gazprom und dem italienischen Unternehmen Eni, sieht Lieferungen von Erdgas aus Russland und möglicherweise auch aus Zentralasien im Umfang von 30 Milliarden Kubikmetern pro Jahr über das Schwarze Meer an Europa vor. Beide Pipelines sollen bis zum Jahr 2013 gebaut werden.
Es ist unwahrscheinlich, dass das Pars-Projekt in den kommenden Jahren umgesetzt wird, da die EU und die USA, deren Stimme wichtig für die Türkei ist, sehr komplizierte politische Beziehungen zu Iran haben, betonte der Abteilungsleiter für Gassektor-Forschungen am Institut für Probleme natürlicher Monopole, Alexej Belogorjew.
Wahrscheinlicher ist bislang der weniger bindende Import von iranischem Flüssiggas.
Im Falle eines Tauwetters in den Beziehungen zwischen Teheran und Brüssel wären fast alle großen europäischen Gasunternehmen an solch einem Projekt interessiert, in erster Linie Eni, Shell und BP.
Jetzt würde sich jedoch keiner der großen Spieler auf ein solches Abenteuer einlassen.
Das iranische Projekt scheint nicht besonders lebensfähig, bekräftigt der Direktor des Instituts für nationale Energiewirtschaft, Sergej Prawossudow.
Terroranschläge der kurdischen Rebellen stören jedes Jahr den Betrieb der Gasleitung zwischen Iran und der Türkei. Kaum jemand wird sich einverstanden erklären, eine noch größere Gaspipeline unter diesen Bedingungen zu bauen.
Gesetz des Falls, dass Pars dennoch gestartet wird, so riskiert Nabucco, kein Gas mehr zu haben, sagt Alexander Schtok von der Unternehmensberatung 2K-Audit - Delowyje Konsultazii.
Die zentralasiatischen Staaten haben sich bereits für den Gastransport durch Russland entschieden. Schtok zufolge wird Nabucco keine Rohstoffbasis haben, wenn Iran Gas durch seine Pipeline transportiert.
Laut dem Generaldirektor der Unternehmensberatung East European Gas Analysis, Michail Kortschemkin, kann Gazprom seinen Wunsch, sich dem Pars-Projekt anzuschließen, damit begründen, das gesamte iranische Gas zu kaufen und es an die EU weiter zu verkaufen. Das wäre der einfachste Weg, die Konkurrenten abzuschütteln.
Mit freundlicher Genehmigung von RIA Novosti